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Konvolut von 11 Blättern aus einem Skizzenblock, 1961

Tusche/Aquerell/Stift auf Papier

alle 23 x 16.5 cm

Bildbeschreibung zum Blatt Nummer acht: near a sea 1961

Aus Distanz betrachtet wirkt das Bild auf mich schwer, fast erdrückend.

Aus der Nähe bekommt das Kunstwerk jedoch eine Leichtigkeit durch die hellen, geschwungenen und schnurartigen Linien und Punkte. Sandfarbige und winzige, fast transparente, Gelbanteile verwandeln es für die Betrachtenden in eine sanfte und weiche Ansicht. Die festen schwarzen Striche in diesem Bereich lässt es so aussehen, als hätte man etwas daraufgelegt oder verloren.

 

Das Bild wird durch eine starke Mitte in zwei Teile getrennt. Fast aus dem Nichts erscheinen zwei Pferde, die sich auf eine liebevolle Weise gegenüberstehen. Sie symbolisieren Kraft, Freiheit und Mut. Gerade die Mitte scheint diese drei Symbole aufzunehmen und zu verbinden. Die schöpferische Kraft der Künstlerin ist klar zu erkennen. Die schwarzen, prägenden und kantigen Elemente wirken schwer und ängstlich. Sie sind jedoch miteinander verbunden, als könnte man sie nicht loslassen, ohne dass sie zusammenbrechen. An vielen Stellen lösen sich die Ränder in kleine baumartige Gebilde aus und verfliessen in die Vergrauung, was es bildlich leichter erscheinen lässt.

Ein beruhigender gelber Fluss erscheint wie eine Trennlinie zwischen dem starken und dem weichen Teil. Das Gelb wirkt positiv und hoffnungsvoll auf die dunklen Elemente. Die hügelige, leicht gerundete Landschaft fällt nach links ab. Sie weist auf eine weite, bis zum Horizont reichende, flache, fast sandartige, mystische Ebene hin

 

Es bleibt die Frage nach dem Versprechen des Titels: Die Nähe zum Meer ist dem Bild nicht zu entnehmen. Ist das Meer wirklich nahe; nahe und dennoch unerreichbar?

 

Esther Kern

Kunsttherapeutin

Oktober 2025 

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